Rezension Mannheimer Morgen, 22. März 2017

MannheimerMorgen WL HoheZeit 22.3.2017Kultur
LITERATUR REGIONAL NEUES BUCH VON WALTER LAUFENBERG
Reisender zwischen den Zeiten

22. März 2017; Autor: Maria Herlo

Aus Opladen reist der 39-jährige Ich-Erzähler mit einem Lkw nach Berlin, weil seine Frau Maria ihn vor die Tür gesetzt hat. All seine persönliche Habe hat er im Mercedes-Laster verstaut und fährt damit einer ungewissen Zukunft entgegen. Im virtuellen Gepäck schleppt er seine Erinnerungen als Reiseleiter mit, die bis zurück in die 50er Jahre reichen. Und wenn einer in so vielen Ländern unterwegs ist, dann hat er was zu erzählen.

Ist der Reisende gar Erzähler von Beruf wie der Mannheimer Autor Walter Laufenberg, so bekommt der Bericht ein besonderes Gewicht. Das ist allerdings auch wörtlich zu verstehen, denn seine jetzt erschienene Publikation mit dem Titel "Hohe Zeit - Der Roman eines Reiseleiters" ist ein Wälzer von fast 500 Seiten. Vom 1935 in Opladen, heute Leverkusen, geborenen und mehrfach ausgezeichneten Schriftsteller Laufenberg liegt bisher ein erstaunlich vielfältiges Werk vor, das Erzählungen, Romane, Essays, Reportagen und Biografien umfasst.


"Hohe Zeit" ist eine Mischung aus Roman, Erotikabenteuer und Reisebericht. In luzider, einfacher Sprache, die nicht mit (Selbst-)Ironie spart, rollt er darin seine langjährige Erfahrungen als Reiseleiter auf, so dass der Rückblick auf die 50er bis 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts eine schwerelose Akkuratesse gewinnt. Indem der heute 82-jährige Autor schildert, was ihn unwiderstehlich machte für all die Damen in der Gruppe, verknotet er auf vertrackte Weise Vergangenheit und Gegenwart miteinander. Er weiß die Leser mit ebenso anschaulichen wie amüsanten Episoden zu fesseln, vor allem wenn er tief ins Weinglas und in den mit Liebesabenteuern vollgestopften Rucksack blickt.


Erotik und Lebensfreude


In der Darstellung des erotischen Reigens, aus dem das Sexbedürfnis einer Gudrun, das "Käthe-Kruse-Puppengesicht" von Christine, die einlullende Opernstimme Gerdas oder der "Hollywoodbusen von Christel, meiner süßen kleinen Dicken", herausragen, signalisieren seine Anmerkungen Humor, Unbekümmertheit und Lebensfreude. Aus diesem Text der Irrungen und Wirrungen ist manchmal auch ein authentischer Ton herauszuhören, besonders dann, wenn Laufenberg den damaligen Zeitgeist oder Bilder der bereisten Orte heraufbeschwört: "Bis auf die schmucken Reste war aller Glanz verloschen, weil der Charme einer großen Vergangenheit sich selbst überlassen worden war - und dem Zahn der Zeit."


So schreibt er über Opatja, eine Ortschaft im damaligen Jugoslawien, die wie andere Ecken dieser Welt von der Reiselust der Deutschen während der Wirtschaftswunderjahre nicht verschont geblieben ist. Vieles aus jener Epoche schwingt mit in diesem autobiografischen Roman, der dadurch auch zu einem historischen Zeitdokument wird.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 22.03.2017

 


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